Gesellschaft und Soziales

Empört, wütend und hilflos

Auf einer Seite unseres Hinterhofs, befinden sich unsere Holzschuppen. Dort hat heute Nacht ein Obdachloser Schutz vor der Kälte gesucht. Das es, da er Raucher ist, gefährlich ist und auch nicht besonders warm, ist eine Sache, eine weitere, dass ich sehr gut verstehen kann, dass er einen geschützten Platz gesucht hat. Heute Morgen, als wir ihn entdecken, war er durchgefroren, nur unzulänglich mit Kleidung versehen und verängstigt. Ich habe ihn dann erst einmal zu mir reingeholt und mit Kaffee und Frühstück versorgt. B. ist Dialyse Patient, hat einen Herzklappenfehler, ganz zu schweigen von einigen psychischen Auffälligkeiten. Er ist seit sieben Jahren auf der Straße. Sein Betreuer war wohl nicht in der Lage ihm einen Schlafplatz zu besorgen und die Polizei hat ihm eine dünne Decke in die Hand gedrückt, als sie ihn am Bahnhof geweckt haben und das war es. Gut, für eine Isomatte, eine warme Jacke, einen richtigen Outdoor Schlafsack, sowie warme Getränke und etwas zu essen, dafür konnten wir sorgen. Und normalerweise, sollte ich mich doch besser fühlen, weil wir wenigstens damit helfen konnten. Doch ich denke den ganzen Tag nur: Das was er wirklich braucht, nämlich einen Ort für sich, das können wir ihm nicht geben.

Es macht mich unendlich wütend, dass es in diesem reichen Land Menschen gibt, die so leben müssen. Die Corona bedingten Maßnahmen haben die Situationen für Menschen wie B. nicht verbessert. Denn die Wärmestuben wie Hempels sind zu. Hier in Kiel herrscht Wohnungsnot und doch stehen etliche Häuser und Wohnungen leer. Ob wegen Renovierung oder, was wohl auch bei einigen der Fall sein wird, als Spekulationsobjekt angeschafft, was auch immer. Tatsache ist, dass es Wohnraum gibt, der nicht genutzt wird. Einige Leute aus unserer Peripherie, die aus dem einen oder anderen Grund ihre Wohnungen verloren haben, sind seit Monaten, in zwei Fällen, seit Jahren in Hotels untergebracht. In dieser Beziehung läuft hier so einiges schief.

Karin Braun, Jahrgang 1957, geboren in Pinneberg. Floh die Kleinstadt schnell. Es folgten kurze Ausflüge in verschiedene Berufe, um schließlich beim Schreiben zu landen. Karin Braun lebt in Kiel und arbeitet als Autorin, Literaturbloggerin, Herausgeberin – kurz: sie macht was mit Büchern … und mit Fotos. Übrigens: Wer mir einen Kaffee ausgeben will, kann es hier tun: https://ko-fi.com/raunacht

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